Geistlicher Impuls

Monatsspruch für den Monat Dezember

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufge-hende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Lukas 1,78-79

Liebe Gemeinde,
mahling.jpg der italienische Maler Francesco Caroto (um 1480–1555) malte Maria mit Jesus und Johannes. Weißer Stoff liegt auf ihrem Schoß. Als junge Mutter kümmert sie sich um die Bekleidung des Kindes, das gerade auf die Welt gekommen ist. Auch in einem alten sorbischen Volkslied finden wir das Motiv der nähenden Maria. Zunächst spann sie Seidenfäden, um sie zu einem Stoff zu weben. Dann fing sie an zu nähen.
„Šiła je Marja košulku, košulku židźanu,
prěni je šołćik zešiła, košulku došiła.“
(„Sie nähte dann ein Hemdelein, Hemdelein seidig, klein;
schon war die erste Naht genäht, das Hemd war bald genäht.“)
Maria näht ein Hemd für Jesus. Die spätmittelalterliche Volksfrömmigkeit liebte Darstellungen, welche die Mutter Gottes mit Handarbeiten darstellten. Wir kennen spinnende und strickende Madonnenbilder. Sie sollte als eine treu sorgende Mutter dargestellt werden, als ein Vorbild für alle Hausfrauen, die sich um ihre Kinder kümmern. Dies hat durchaus einen Anhaltspunkt in der Bibel. In der Geburtsgeschichte lesen wir, dass sie ihren Sohn in Windeln wickelte und in eine Krippe legte (Lukas 2,7). Die Windeln waren also wie selbstverständlich im Stall vorhanden. Der Gedanke liegt nicht fern, dass Maria diese bereits in Nazareth eingepackt hatte, bevor sie sich als Hochschwangere mit Josef auf den Weg nach Bethlehem begeben hatte. Die andere Möglichkeit, dass Josef sich um die Windeln gekümmert hatte, liegt etwas fern der damaligen Familienrealität.
Maria beschränkte sich nicht auf die äußere Versorgung ihrer Familie. Auf mittelalterlichen Bildern, welche die Ankündigung der Geburt durch den Engel Gabriel darstellen, liest Maria häufig in einem Buch. Manchmal kann man die Bibelstelle noch erkennen, die gerade aufgeschlagen ist. Dies ist fast immer Jesaja 7: „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“ Maria war also eine Frau, die sich in das Wort Gottes vertieft hatte und daraus Klarheit über ihren weiteren Lebensweg bekommen hatte.
Für uns können diese Gedanken in der Weise fruchtbar werden, dass wir beides, die innere und die äußere Vorbereitung im Zusammenhang sehen. Wenn das Weihnachtsfest gelingen soll, sind einige äußere Vorbereitungen erforderlich: Handarbeiten, verschiedene Besorgungen und Einkäufe, schließlich auch das Saubermachen. Doch sollte darüber die Vertiefung in das Wort Gottes nicht versäumt werden, ohne die alle Vorbereitungen hohl und leer bleiben. Unsere drei Kirchgemeinden unterbreiten hierzu viele Vorschläge: Gottesdienste, Andachten, Vespern, Gemeindenachmittage und -abende, die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit ...
Lassen Sie sich einladen, um neben allen äußeren Vorbereitungen mit dem Wort Gottes durch die Adventszeit zu gehen.
Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Ihr

Sorb. Superintendent Johannes Mahling