Geistlicher Impuls

Monatsspruch für den Monat Juli

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Jakobus 1,15

Liebe Gemeinde,
IMG_0292 - Kopie.JPG Honig ist Geschmackssache, nicht nur beim Essen. Man kann ihn jemandem in den Bart schmieren und dabei hoffen, dass es diesem gefällt. Meist sind die Worte dann besonders süßlich gewählt, sie schmeicheln und gehen herunter wie Honig. Oder wie Öl. Aber auch das ist Geschmackssache.
Anderen, die daneben stehen, mag es hingegen sauer aufstoßen, ihnen ist jede Form der Anbiederung zuwider und am liebsten würden sie sich die Hände waschen, denn auch Worte können klebrig sein. Worte können sogar vergiften – die Stimmung, eine Situation, manchmal eine ganze Beziehung. Im Alten Testament ist immer wieder die Rede vom „Land, in dem Milch und Honig fließen“. Was bei manchen nur notgedrungen zum Einsatz kommt, dann wenn die Stimme bei einer heftigen Erkältung zu versagen droht, war einmal der Inbegriff für das gelobte Land. Dort, so die Vorstellung, würde alles endlich besser werden nach den Entbehrungen und der Kargheit der langen Wanderschaft. Die Kehle würde nie wieder trocken sein vom vielen Staub der Wüste, Milch und Honig würde es stattdessen reichlich geben und das versprach Wohlstand und Heilung zugleich.
Wohltuende und heilsame Worte legt uns der Monatsspruch für den Monat Juni in den Mund, freundliche Reden, süß wie Honigseim. Aber was sind das für Worte?
Sie sind liebevoll und tröstend und mit Bedacht gewählt. Das sind stärkende Worte, die wieder Mut machen und die sich wie Balsam auf die müden Glieder legen. Sie lassen die Bitterkeit endlich verschwinden, welche zuvor auf der Seele lag. Das sind heilende Worte, die einen Streit beenden können. Kein schlechter Geschmack bleibt mehr auf der Zunge, nichts liegt mehr schwer im Magen. Und dabei wissen wir, dass das leichter gesagt als getan ist.
Es mag ein Zufall sein, dass es auch im Monatsspruch für den Juli um das Reden und das Hören geht. Denn beides beschäftigt uns hier in Bautzen gerade sehr. In vielen öffentlichen Diskussionsrunden und noch mehr privaten Gesprächen geht es darum, wie wir als Gesellschaft wieder miteinander in das Gespräch kommen, manch einer stellt die Frage, wer überhaupt mitreden kann in unserer Stadt. Es geht um die Grenzen, dessen was „man ja mal sagen darf“ und um die Bereitschaft, einander geduldig zuzuhören. Das ist ein spannender Weg und oft ist er mühevoll. Als Christen sind wir gerufen, uns einzubringen, wenn es um das gute Zusammenleben aller Menschen geht. Im Sinne der beiden Monatssprüche könnte man vielleicht sagen: aufmerksam zuhörend und um freundliche Klarheit bemüht.
Bei allem Bemühen wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sommer.

Pfarrer Christian Tiede