Geistlicher Impuls

Monatsspruch für den Monat August

Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. Apostelgeschichte 26,22

Liebe Gemeinde,
diese Worte schreibe ich in den Alpen von Graubünden. Gestern stiegen wir auf einen hohen Gipfel: stundenlang wanderten und kletterten wir hinauf, um schließlich am Suretta-See haltzumachen und die Faszination der Landschaft zu genießen: die Gipfel, die höchsten davon schneebedeckt, der weite Horizont, die Blicke hinunter in die Täler, das azurblaue Wasser der Bergseen, die Stille, nur von einigen Vogellauten und fiependen Murmeltieren unterbrochen ... Viele Schritte und einige Mühen waren nötig, um bis auf diesen Gipfel zu gelangen.
Der Monatsspruch für den Monat August beschreibt einen anderen Gipfel: Da geht es um Paulus auf dem Höhepunkt seiner Missionstätigkeit. Paulus steht in Cäsarea vor König Agrippa und dessen ganzem Gefolge. Hier soll er sich gegenüber den Anklagen seiner jüdischen Gegner verantworten. In einer langen Verteidigungsrede beschreibt er zuerst seine Jugend, danach seine Christenverfolgungen, dann seine Begegnung mit Jesus und schließlich seine Hoffnung. Der Monatsspruch steht im Übergang von Teil?3 zu 4. Paulus erklärt: Er hat Gottes Hilfe sein Leben lang erfahren und ist dafür sein Zeuge bei Großen und Kleinen, d. h. bei allen Schichten der Gesellschaft. Diese Vernehmung in Cäsarea war wahrscheinlich seine „bedeutendste Bühne“ als Missionar. Aus dem Gefängnis kam Paulus in den Audienzsaal des Palastes – auf den Gipfel der offiziellen Zuhörerschaft.
Wie beeindruckend, wenn jemand so von sich sagen kann wie Paulus: „Ich habe Gottes Hilfe mein Leben lang bis zum heutigen Tag erfahren.“ Können wir das? Oder stehen da neben den Zeiten voller göttlicher Wunder die Zeiten, wo uns Gott verborgen schien und wir Hilfe inständig herbeisehnten? „Nun bin ich Gottes Zeuge vor Groß und Klein“, stellt Paulus fest. Sein Leben lang hat er von dieser göttlichen Hilfe, die ihm in Jesus geschenkt wurde, weitererzählt. Auf Marktplätzen und in Wohnungen, in Audienzsälen und auf Schiffen. Und vor den unterschiedlichsten Menschen: den „Großen der Weltgeschichte“ wie den „kleinen Leuten“ auf der Straße. Bei voller Zustimmung wie bei Skepsis und Widerstand.
Im Herbst 2017 kommt die Reformationsdekade zu ihrem Höhepunkt und Gipfel: mit dem Rückbezug auf den Thesenanschlag Martin Luthers im Oktober 1517. Freimütig Gott bekennen, nur der Bibel, Jesus Christus und dem eigenen Gewissen verpflichtet, so brach sich damals die reformatorische Bewegung Bahn und lief wie ein Feuer durch die Lande. Ob er uns anzustecken vermag, jener Paulus der Apostelgeschichte? Freimütig von Gottes Hilfe in unseren Leben zu erzählen? Bei voller Zustimmung wie bei Skepsis und Widerstand? Das wären gute Früchte des Reformationsgedenkens: wenn neben den großen Veranstaltungen und Ausstellungen etwas Neues unter uns heranreifen würde: eine neue Lust von Gott zu sprechen. Mitten im Alltag. Vor Großen und Kleinen. Vor Kindern und Enkelkindern, dem Chef oder der Nachbarin.
Herzliche Grüße und gute Wünsche für alle Neuanfänge, die vor Ihnen liegen!

Pfarrerin Maria Heinke-Probst